Löwenherz ist vier Jahre alt und entdeckt die Welt aus 90 Zentimetern Höhe. Von dort sieht alles anders aus. Sofas sind riesig. Baustellen fast Mythologie. Eine Pfütze ist ein Ereignis. Ein Taxi wichtig. Der Mond wichtig. Das Eis sowieso.
Seine Welt ist warm, wild und voller kleiner Dinge, die plötzlich groß werden: Regen auf Kopfsteinpflaster, Spielplätze zwischen Häusern, U-Bahn-Licht, Kräne am Himmel, Katzenhaare auf dem Sofa, große gelbe Rutschen, Matsch und Lichter im Abendregen.
Löwenherz erlebt die Welt nicht niedlich, sondern ernsthaft: neugierig, mutig, sensibel, manchmal eigensinnig und manchmal mit einem kleinen Ernst am Rand. Angst darf da sein. Wut auch. Und Stolz, wenn etwas endlich alleine klappt.
Mama und Papa existieren in dieser Welt als Ankerpunkte, nicht als Erklärer. Sie sind da, wenn Löwenherz zurückkommt. Die Perspektive aber gehört ihm: konsequent, beobachtend, episch ohne Fantasy-Zwang.
Visuell hat diese Welt eine klare Sprache: warmes Gelb und Orange, Rot und Blau, Holz und Beton, Natur zwischen Stadt. Fahrzeuge, Wetter, Bewegung und Rückzugsorte wiederholen sich. Zwischen Stadt und Natur liegen überall kleine Übergänge: wilde Wiesen, Koppeln, Trampelpfade, Orte, an denen plötzlich der Himmel größer wird.
Die Geschichten entstehen nicht aus pädagogischen Botschaften, sondern aus beobachteten Momenten. Nicht: „Heute lernen wir etwas." Sondern: So fühlt sich Kindheit an, wenn man mittendrin ist.
Die Reihenidee
Löwenherz ist als Bilderbuchreihe angelegt. Jeder Band erzählt eine abgeschlossene Geschichte, aber zusammen entsteht eine wachsende Figurenwelt.
Die Reihe öffnet sich schrittweise: von der Wohnung in die Stadt, von dort zur Koppel und zu einer größeren Außenwelt.
Jeder Band für sich
Die Bände stehen für sich, bauen aber emotional aufeinander auf.
Emotional aufbauend
Was Löwenherz bei Amy über Abstand und Geduld versteht, braucht er später bei Chicago. Was Mya ihm von Anfang an schenkt, sieht er neu, als es einmal nicht selbstverständlich ist.
Wachsende Welt
Eine Reihe, die Kinder ab 3 Jahren mit einer vertrauten Hauptfigur, wiederkehrenden Tieren und einer Welt begleitet, die Band für Band größer wird.
Die vier Hauptfiguren
Löwenherz
Das Kind, für das alles groß ist.
Löwenherz fühlt mit dem ganzen Körper. Wenn er glücklich ist, rennt er los, wedelt mit den Armen, tanzt, dreht sich im Kreis. Er verhandelt über alles: „Erst Eis, dann Kita." „Löwenherz alleine!" Er beobachtet Kräne, Ameisen, Räder und den „Winkemann" vor dem Dönerladen, als könnte man durch sie die Welt verstehen. Für ihn ist nichts klein: der Mond nicht, ein Taxi nicht, ein Eis schon gar nicht.
Löwenherz hat Mama und Papa. Er liebt sie, verhandelt mit ihnen, braucht sie – und erkundet die Welt von der sicheren Basis aus, die sie schaffen.
Löwenherz ist bewusst als Junge konzipiert: ein wilder, sensibler kleiner Mensch, der nicht über Action definiert wird, sondern über Wahrnehmung, Nähe, Trotz und Mut.
Mya
Die Katze, die Nähe sucht und immer da ist.
Mya ist klein, weiß, goldäugig und immer schon in der Nähe, bevor man sie gerufen hat. Sie schenkt Vertrauen sofort, verteilt stürmische Kopfnüsse und liegt am liebsten direkt auf Menschen drauf. Wenn sie Aufmerksamkeit will, schiebt sie ein Wasserglas langsam Richtung Abgrund. Dass es fallen wird, weiß sie genau. Sie macht es trotzdem.
Mya glaubt, dass die Welt freundlich ist. Also geht sie ihr entgegen.
Amy
Die Katze, die Zeit braucht.
Amy ist weiß und goldäugig wie Mya, aber runder, vorsichtiger, wachsamer. Sie beobachtet erst aus sicherer Entfernung und entscheidet selbst, wann Nähe richtig ist. Vertrauen entsteht bei ihr durch viele kleine, verlässliche Einladungen. Wer zu schnell ist, bekommt eine Erinnerung per Pfote.
Amy schenkt Vertrauen nicht sofort. Aber wenn sie es schenkt, bleibt sie.
Chicago Blues
Das Piratenpferd mit großem Herzen und eigener Logik.
Chicago Blues ist ein großes dunkelbraunes Pferd mit schwarzer Mähne, weißem Stern und Augenklappe. Er sieht nur noch wenig, deshalb schnuppert er sich vorsichtig durch die Welt: an Menschen, Zäunen, Jackentaschen und allem, worin vielleicht eine Banane versteckt sein könnte. Obwohl er so groß ist, erschrickt er sich ausgerechnet vor weißen Dingen. Vielleicht sogar vor Amy.
Chicago sieht die Welt anders. Und findet trotzdem seinen Weg.
Die Dynamik
Löwenherz
Geht der Welt mit dem ganzen Körper entgegen. Fragt, ruft, rennt, verhandelt – die Hand schon ausgestreckt, bevor er selbst merkt, dass sie unterwegs ist.
Mya
Kommt sofort. Wirft sich ins Leben und meistens auch auf Löwenherz. Nähe ist für sie keine Frage – sie ist die Antwort.
Amy
Lässt sich nicht holen. Nicht durch Rufen, nicht durch Locken. Gerade dadurch lernt Löwenherz: Nähe beginnt nicht immer dort, wo seine Hand hinwill.
Chicago Blues
Verschiebt die Dynamik ins Große. Stark, frech, verfressen – und nicht zu lenken. Bei ihm merkt Löwenherz: Auch das Große hat seine eigene Logik.
Warum Kinder diese Welt lieben
Echte Kinderlogik
Der Mond ist weg, weil Wolken da sind. Ein Mixer ist kein Küchengerät, sondern ein Krach, der plötzlich zu groß wird. Ein altes Auto wird wieder neu, wenn es unter dem Sofa auftaucht.
Kleine Katastrophen
Mya schiebt ein Wasserglas Richtung Abgrund. Amy hebt die Pfote, wenn es ihr reicht. Chicago schnuppert nach Bananen. Löwenherz verhandelt über Eis, Kita und Geschenkautos.
Dinge, die sie kennen
Etwas soll sofort sein. Jemand will nicht mitmachen. Ein Geräusch ist zu laut. Ein Tier kommt zu nah – oder gerade nicht nah genug.
Warum Erwachsene diese Welt lieben
Echte Beobachtung
Erwachsene finden keine laute Moral, sondern echte Beobachtung. Das dritte Fragen nach dem Mond. Das Kind im Türrahmen, das noch nicht weiterwill. Momente, in denen kein Erklären hilft – sondern nur Dableiben.
Wiedererkennen
Den Ernst eines kaputten Brötchens. Die Empörung über ein falsches Nein. Den Stolz, wenn etwas endlich alleine klappt. Die Erschöpfung nach einem Tag voller Kuchenkrümel, Luftballons und viel zu vieler Hände.
Warm, klug, humorvoll
Die Bücher stellen sich nicht über Kinder. Sie nehmen kindliche Gefühle ernst, aber machen sie nicht schwerer, als sie sind.
Die Bände
Bände 1–3: Innenwelt
Wohnung, Sofa, Mya und Amy. Löwenherz begreift, dass echte Tiere einen eigenen Kopf haben – und dass Nähe nicht immer sofort kommt.
Bände 4–7: Alltagssituationen
Küche, Spielplatz, Stadt, Mond. Löwenherz erlebt, dass Lärm zu groß werden kann, Dinge verschwinden und wiederkommen – und dass man sehen muss, wer immer schon da war.
Bände 8–10: Außenwelt
Koppel, Wind, Chicago Blues. Löwenherz begegnet einem Pferd mit eigener Logik – und sieht, dass Mut nicht immer gleich aussieht.
Die Löwenherz-Reihe ist zunächst auf 10 Bände angelegt. Die Welt öffnet sich Schritt für Schritt. Chicago erscheint bewusst erst ab Band 8. Bis dahin hat Löwenherz schon erlebt, dass Nähe nicht immer sofort kommt, dass Lärm zu groß werden kann, dass Dinge verschwinden und wieder auftauchen, dass man warten, suchen, wütend sein und trotzdem weitermachen kann. All das nimmt er mit, wenn er zum ersten Mal vor Chicago steht: einem großen, fast blinden Pferd mit Augenklappe, eigener Logik und einer Nase, die immer zuerst kommt.
Jeder Band funktioniert für sich. Zusammen erzählen die Bücher eine emotionale Entwicklung: Löwenherz' Welt wird größer, aber sie verliert nie ihren Ausgangspunkt. Alles beginnt bei einem Kind, das aus 90 Zentimetern Höhe staunt, trotzt, fragt und losläuft.
Auch nach den ersten 10 Bänden kann die Löwenherz-Welt weiterwachsen. Neue Orte, neue Menschen, Freundschaften, Ausflüge, Kita, Großeltern, Ferien, Stadt und Natur bieten Stoff für weitere Bände oder spätere Anschlussreihen.
Band 1
Band 1: Löwenherz und die zwei Fellwölkchen
Die Geschichte
Löwenherz fragt eines Tages, warum er eigentlich Löwenherz heißt. Mama holt seinen Kuschellöwen und erklärt ihm: Ein Löwenherz zu haben bedeutet, ein großes Herz zu haben. Für Menschen. Für Tiere. Für alles. Und es bedeutet, sich zu trauen, auch wenn etwas neu, groß oder ein bisschen unheimlich ist.
Von da an möchte Löwenherz einen echten Löwen. Unbedingt. Einen zum Streicheln, Spielen und einen, der beschützt. Mama sagt: „Vielleicht fangen wir mit zwei Katzen an." Löwenherz wünscht es sich sehr und lange, bis eines Tages Mya und Amy einziehen: zwei weiße Fellwölkchen, die noch kein Zuhause hatten.
Mya kommt sofort. Amy verschwindet unter der Couch. Löwenherz will beiden sofort nah sein. Aber Amy macht nicht mit. Und so beginnt Löwenherz zu ahnen, dass echte Tiere anders sind als Kuscheltiere: Sie haben einen eigenen Kopf, eigene Ängste und manchmal auch eigene Pläne.
Das stärkste Bild
Löwenherz liegt bäuchlings vor der Couch. Unter der Couch leuchten Amys goldene Augen. Auf seinem Rücken liegt Mya, als wäre sie dort schon immer zuhause gewesen.
Amy ist inzwischen manchmal da. Kurz nur, mit Abstand, aber sichtbar. Und wenn Amy da ist, muss man sie doch auch kuscheln dürfen, denkt sich Löwenherz. Also versucht er es. Er legt ihr sein Lieblingsauto hin. Amy schaut daran vorbei. Er hält ihr ein Stück von seinem Brot hin. Amy schnuppert kurz und geht wieder. Dann steht eines Morgens der fast leere Joghurtbecher auf dem Tisch. Amy springt auf den Stuhl, steckt die Nase tief hinein und schleckt den Rand aus. Löwenherz ist begeistert. Amy ist da. Richtig da. Er streckt vorsichtig die Hand aus.
Da hebt Amy die Pfote. Löwenherz ist empört. Alles war doch lieb gemeint. Und außerdem war es sein Joghurtbecher. Also irgendwie.
Irgendwann versteht Löwenherz: Amy kommt nicht näher, weil er sie ruft. Sie kommt, wenn sie selbst etwas will. Und wenn er seine Hand nicht immer direkt nach ihr ausstreckt.
Am Ende sitzt Löwenherz mit einem leeren Joghurtbecher auf dem Boden. Mya liegt an seinem Bein. Diesmal ruft Löwenherz Amy nicht. Er stellt den Becher nur neben sich. Amy kommt, schleckt den Rand aus und bleibt einen Moment neben ihm sitzen. Nicht auf seinem Schoß, aber neben ihm. Für Löwenherz ist das fast schon nah.
Das stärkste Bild
Amy steht mit der Nase im fast leeren Joghurtbecher auf dem Tisch. Löwenherz steht davor, begeistert und beleidigt zugleich, die Hand noch halb in der Luft. Neben ihm sitzt Mya und sieht aus, als hätte sie diese Regel der Welt schon lange verstanden.
Band 3
Band 3: Löwenherz und die vielen Hände
Die Geschichte
Löwenherz hat Geburtstag. Kinder kommen zu Besuch. Es gibt Kuchen, Luftballons, Geschenke, Lärm und überall Hände: Hände im Geschenkpapier, Hände im Kuchen, Hände an Mya. Mya findet das großartig. Sie kommt sofort, schnurrt, verteilt Kopfnüsse und liegt mitten im Geburtstagschaos, als wäre die Feier nur für sie geplant.
Amy bleibt erst im Flur. Dann unter dem Stuhl. Dann dort, wo nicht so viele Füße sind. Als die Kinder sie entdecken, wollen alle sie sehen. Einer ruft sie. Einer krabbelt ihr hinterher. Einer sagt, Amy sei komisch und gar keine richtige Kuschelkatze.
Da stellt sich Löwenherz vor Amy. Amy muss nicht rauskommen. Auch nicht an seinem Geburtstag.
Später, als alle gegangen sind, hängen die Luftballons müde an den Stühlen. Kuchenkrümel liegen auf dem Boden. Mya schläft im Geschenkpapier. Löwenherz sitzt daneben, müde und zufrieden. Da kommt Amy aus dem Flur und bleibt vor ihm stehen. Löwenherz hält ihr zaghaft zwei Finger hin. Amy streckt den Kopf vor. Löwenherz erschrickt und zieht die Hand zurück. Einen Moment ist alles still. Dann traut sich Löwenherz noch einmal. Er hält ihr die Finger hin. Amy schnuppert daran und leckt einmal darüber. Kurz nur. Danach setzt sie sich ins Geschenkpapier, als wäre nichts gewesen.
Das stärkste Bild
Löwenherz steht zwischen Amy und den Geburtstagsgästen. Hinter ihm Kuchenkrümel, Luftballons, Kinderbeine, Geschenkpapier und viel zu viele Hände. Vor ihm, halb im Schatten, leuchten Amys goldene Augen.
Band 4
Band 4: Löwenherz und der Krach in der Küche
Die Geschichte
Heute ist die Küche schon laut, bevor der Mixer überhaupt an ist. Der Wasserhahn rauscht. Ein Topf klappert. Draußen hupt ein Auto. Amy sitzt plötzlich unter dem Stuhl. Mya ist auf dem Küchenschrank. Löwenherz bleibt in der Tür stehen.
Dann will Mama einen Smoothie machen. Löwenherz mag Smoothies. Aber nicht den Mixer.
Der Mixer ist laut, plötzlich und unheimlich. Obst wirbelt, der Deckel wackelt, alles brummt und dröhnt. Löwenherz hält sich die Ohren zu. Er will weglaufen. Gleichzeitig will er wissen, wann es vorbei ist. Erst als Mama ihm Bescheid sagt, bevor sie den Mixer einschaltet, und Löwenherz Abstand nehmen darf, wird der Krach ein bisschen weniger schlimm. Nicht schön oder plötzlich lustig, aber aushaltbar.
Als es wieder leise ist, kommt Amy langsam hervor. Mya tut, als wäre natürlich nie etwas gewesen. Löwenherz probiert den Smoothie. Dann trinkt er noch einen Schluck. Und noch einen. Schließlich hält er sich vorsorglich die Ohren zu, schaut zum Mixer und sagt: „Noch mehr."
Das stärkste Bild
Löwenherz steht mit beiden Händen auf den Ohren in der Küchentür. Amy sitzt unter dem Stuhl. Mya sitzt oben auf dem Küchenschrank. Auf der Arbeitsplatte wirbelt der Mixer Obst, Licht und Lärm durcheinander.
Band 5
Band 5: Löwenherz und das neue alte Auto
Die Geschichte
Löwenherz will unbedingt ein neues Spielzeugauto. Er hat schon viele Autos, aber die kennt er alle schon. Also fragt er mit erwartungsvollem Blick und verschmitztem Lächeln immer wieder: „Geschenkauto?" Als er keins bekommt, wird er wütend. „Neues Auto!!" weint er.
Dann verschwindet eines seiner Autos unter dem Sofa. Oder Mya schubst es dorthin. Beim Suchen taucht eine Tüte mit alten, längst aussortierten Autos auf. Löwenherz wird neugierig und schaut hinein. Und plötzlich ist nichts daran alt.
Die Autos sind für ihn wie neu, er hatte sie so lange nicht gesehen. Er schaut sie an, dreht sie um, prüft die Räder, schiebt sie über den Boden und merkt: Was er unbedingt haben wollte, war vielleicht gar nicht etwas Neues – sondern wieder Staunen.
Aus einer alten Tüte wird ein Schatz.
Das stärkste Bild
Löwenherz sitzt mitten auf dem Boden in einem Meer aus wiederentdeckten Autos. Mya liegt natürlich mitten dazwischen, Amy beobachtet alles mit Abstand. Löwenherz hält ein kleines Auto ganz nah vors Gesicht und prüft ernsthaft ein Rad.
Band 6
Band 6: Löwenherz sieht Mya
Die Geschichte
Löwenherz hat lange auf Amy gewartet. Auf jedes Blinzeln unter der Couch, jede Pfote, jeden kleinen Schritt. Er hat sie gerufen und immer wieder geduldig eingeladen, ohne zu drängen. Und endlich kommt Amy manchmal näher. Nicht immer. Erstrecht nicht sofort. Aber manchmal. Dabei übersieht Löwenherz fast, wer die ganze Zeit schon da war: Mya.
Mya, die immer sofort kam, schnurrend auf seinem Bauch lag. Mya, die Kopfnüsse verteilte und mit ihm auf dem Sofa war, während er auf Amy wartete.
Erst merkt Löwenherz es kaum. Mya liegt nicht mehr mitten auf ihm, sondern auf der Fensterbank. Sie schiebt kein Wasserglas vom Tisch. Sie klettert nicht in seine Tasche. Sie ist noch da, aber ein bisschen weiter weg. Löwenherz versteht nicht sofort, was fehlt. Bis er Amy streichelt und plötzlich merkt, dass keine kleine Kopfnuss gegen sein Bein stupst. Da sieht er Mya. Nicht weil sie laut ist, sondern weil sie einfach fehlt.
Löwenherz setzt sich zu ihr auf die Fensterbank. Er redet mit ihr und sagt ihr: „Mya vermissen". Und nach einer Weile kommt Mya zurück: mit einer Kopfnuss, die fast ein bisschen zu fest ist.
Das stärkste Bild
Mya sitzt allein auf der Fensterbank, klein und weiß vor dem großen Fenster. Löwenherz steht in der Tür, während Amy neben ihm sitzt.
Band 7
Band 7: Löwenherz sucht den Mond
Die Geschichte
Jeden Abend schaut Löwenherz nach dem Mond. Manchmal sieht man ihn zwischen den Häusern, manchmal über den Dächern, manchmal nur ein kleines Stück. Aber er gehört zum Abend dazu. Löwenherz sagt ihm gute Nacht: „Bye-bye Mond." Eines Abends ist der Mond nicht da. Löwenherz schaut aus dem Fenster. „Mond nicht da." Dann fragt er: „Mond weg?"
Er sucht ihn an den Stellen, an denen er sonst ist: am Fenster, über den Dächern, zwischen den Häusern, im dunklen Himmel. Mya sitzt neben ihm und drückt sich an sein Bein. Amy kommentiert vom Fensterbrett. Aber der Mond kommt nicht.
Mama setzt sich zu Löwenherz ans Fenster. Gemeinsam schauen sie in den Himmel. Dort sind Wolken. Sie ziehen langsam vorbei. Mal wird es heller. Mal wieder dunkler. Löwenherz wartet. Schaut. Fragt weiter. Und dann ist der Mond plötzlich wieder da. Er war nicht weg, er war nur hinter den Wolken. Löwenherz sagt erleichtert: „Bye-bye Mond." und geht schlafen.
Am nächsten Morgen auf dem Weg zur Kita läuft Löwenherz durch den Schatten eines Hauses. Dann springt er ins Licht. Dann wieder zurück in den Schatten. Dann wieder ins Licht. Er schaut hoch und sagt: „Sonne nicht weg. Sonne nur versteckt. Sonne wieder da."
Das stärkste Bild
Löwenherz sitzt abends mit Mama, Mya und Amy am Fenster. Draußen ziehen Wolken über die Häuser, und zwischen ihnen erscheint der Mond wieder, klein und hell, als wäre er die ganze Zeit da gewesen.
Band 8
Band 8: Löwenherz und das Piratenpferd
Die Geschichte
Mama und Papa sagen: Heute fahren wir zu jemandem, der jetzt zu unserer Familie gehört. Chicago Blues wohnt nicht in der Wohnung. Pferde wohnen nicht auf Sofas und setzen sich zum Essen an einen Tisch. Chicago wohnt auf einer Koppel am Stadtrand, mit Gras, Wind, Zäunen und anderen Pferden.
Früher war Chicago ein Rennpferd. Er kannte Tempo, Bewegung und das Gefühl, vorne zu sein. Aber Chicago sieht nicht mehr gut. Auf einem Auge trägt er eine Augenklappe, auf dem anderen sieht er nur noch wenig. Deshalb passt sein altes, schnelles Leben nicht mehr zu ihm. Jetzt braucht er ein Zuhause mit Ruhe, Wiese, Geduld und Menschen, die ihn so nehmen, wie er ist.
Als Löwenherz ihn zum ersten Mal sieht, ist Chicago riesig. Dunkelbraun. Mit schwarzer Mähne, weißem Stern und Augenklappe. Er sieht anders aus als die anderen Pferde. Anders als seine Stofftiere. Und er schaut anders in die Welt.
Chicago sieht wenig, aber er merkt viel. Er hört Schritte im Gras, spürt Wind auf der Nase. Er erkennt Stimmen und schnuppert an Zäunen, Eimern, Jackentaschen und allem, was vielleicht eine Banane sein könnte.
Löwenherz will sofort zu ihm. Aber Chicago streckt nur vorsichtig die Nase nach vorne. Er schnuppert und lauscht. Da erinnert sich Löwenherz an Amy. Nicht alles kommt näher, wenn man schneller wird. Also bleibt Löwenherz am Zaun stehen. Er erzählt Chicago von Mya und Amy. Von Kopfnüssen, Pfoten und Wassergläsern. Chicago schnuppert an seiner Jackentasche. Vielleicht ist dort eine Banane. Vielleicht auch nicht.
Am Abend erzählt Löwenherz Mya und Amy von Chicago: von der Augenklappe, der großen Nase und dem Wind auf der Koppel. Mya legt sich sofort auf ihn. Amy kommentiert vom Fußende.
Und Löwenherz merkt: Chicago wohnt nicht bei ihnen. Aber er gehört trotzdem dazu.
Das stärkste Bild
Löwenherz steht still am Zaun. Vor ihm Chicago Blues, groß, dunkel, mit Augenklappe und vorsichtig ausgestreckter Nase. Hinter ihnen Koppel, Wind und ein Himmel, der plötzlich größer wirkt.
Band 9
Band 9: Löwenherz und Chicagos Matsch
Die Geschichte
Zuhause hilft Löwenherz beim Backen. Erst ist alles gut, doch dann klebt Teig an seinen Fingern. Löwenherz schüttelt die Hände, bis der Teig in alle Richtungen fliegt. Ein Klecks landet auf Mya. Amy ist sofort zur Stelle und leckt Mya gründlich sauber. Löwenherz hält Mama die Hände hin und sagt: „Sauber machen."
Später fährt er zu Chicago auf die Koppel. Dort liegt Chicago schon im Matsch. Er wälzt sich darin, schnaubt zufrieden und sieht aus, als hätte er gerade den schönsten Platz der Welt gefunden. Löwenherz ist verwundert. Er geht zu ihm, streichelt ihn und hat sofort Matsch an den Händen kleben. Das ist gar nicht gut. Löwenherz schüttelt die Hände. Der Matsch fliegt. Dann wischt er sie an seiner Hose ab. Jetzt ist auch die Hose matschig. Chicago springt vergnügt durch den Matsch, dass es nur so spritzt.
Löwenherz schaut auf seine dreckigen Hände. Dann auf Chicagos matschige Hufe, dann auf die Pfützen. Mit den Händen will er nicht mehr. Aber mit den Stiefeln vielleicht schon. Also springt er Chicago hinterher. Einmal. Und noch einmal. Immer wieder. Die Hände bleiben lieber sauber. Die Stiefel nicht.
Am Ende steht Löwenherz lachend neben Chicago im Matsch. Die Hose ist schmutzig, die Hände wieder sauber. Und Chicago schnaubt zufrieden, mit Matsch an der Nase.
Das stärkste Bild
Chicago wälzt sich mitten im Matsch, groß, dunkel und selig. Davor steht Löwenherz mit ausgestreckten, matschigen Händen und angewidertem Gesicht, während er im nächsten Moment schon mit den Stiefeln in die Pfütze springt.
Band 10
Löwenherz und das große Schnaufen
Die Geschichte
Löwenherz ist bei Chicago auf der Koppel, als der Himmel dunkel wird. Der Wind fährt durch das Gras, über der Stadt leuchten Kräne und Baustellenlichter, dann kommt der erste Donner und ein Blitz. Löwenherz wird still. Chicago steht neben ihm, groß und dunkel, mit nasser Mähne, Augenklappe und der Nase im Wind. Er schnauft. Nicht erschrocken. Eher so, als würde er sagen: Ich bin da.
Als der Regen beginnt, verändert sich alles: die Koppel, der Weg, die Stadt, die Lichter, die Bagger, die riesigen Kräne. Später weiß Löwenherz nicht mehr genau, ob Chicago ihn wirklich getragen hat oder ob die Nacht einfach so groß gewesen ist. Er weiß nur: Chicago war bei ihm.
Gemeinsam bewegen sie sich durch die regennasse Stadt. Vorbei an Pfützen, Baustellen, schlafenden Baggern und Kränen, die im Dunkeln fast wie große Tiere aussehen. Chicago bleibt ruhig. Löwenherz hält sich fest. Der Donner grollt. Und trotzdem kommen sie weiter. Vor Löwenherz' Wohnung bleibt Chicago stehen und schnauft plötzlich, fängt an zu trippeln. Oben am hellen Fenster sitzen Mya und Amy: zwei kleine weiße Fellwölkchen.
Chicago hat keine Angst vor Kränen, Baggern, Donner und Regen. Aber vor diesen zwei weißen Katzen erschrickt er sich. Löwenherz schaut zu ihm hoch und sagt: „Das sind Mya und Amy. Die gehören zu uns." Dann läuft er in die Wohnung und öffnet das Fenster. Drinnen: warmes Licht, Sofa, Katzenhaare, Mya und Amy. Draußen: Wind, Regen, Chicago. Löwenherz streckt ihm die Hand entgegen. Mya kommt sofort näher. Amy etwas zögerlicher. Chicago streckt langsam seine große Nase vor. Die Katzen schnuppern, Chicago schnuppert zurück. Ganz vorsichtig. Und Löwenherz steht dazwischen.
Das stärkste Bild
Chicago steht nachts im Regen vor dem hellen Wohnungsfenster. Drinnen sitzen Mya und Amy im warmen Licht. Löwenherz steht am offenen Fenster zwischen ihnen. Draußen Wind, Regen und Kräne. Drinnen Sofa, Licht und Katzenhaare.
Was immer wiederkehrt
Löwenherz lebt von wiederkehrenden Momenten – Sätzen, Gesten, Ritualen und kleinen Katastrophen, die die Figuren sofort erkennbar machen. Nicht als Running Gags, sondern als vertraute Signaturen dieser Welt.
Löwenherz
„Erst Eis, dann Kita." „Löwenherz alleine!" „Geschenkauto???" „Kaputt." „Bye-bye Mond." Er wedelt beim Rennen mit den Armen, prüft Räder, beobachtet Kräne und ordnet sich die Welt mit seinen eigenen Sätzen.
Mya
Kopfnüsse. Fellwölkchen auf dem Bauch. Wasserglas am Tischrand. Taschen, Schränke und Regale als Einladung. Mya kommt sofort. Sie ist Nähe, Wärme und Chaos in einem kleinen weißen Körper.
Amy
Laute Kommentare. Pfote, wenn es zu schnell geht. Überall mit hingehen. Gläser ausschlecken. Mya sauberlecken. Amy braucht Zeit, aber sie ist nie passiv. Sie spricht, protestiert, putzt, klaut und bleibt.
Chicago Blues
Augenklappe. Große Nase voran. Schnaufen. Banane suchen. Äpfel zu Apfelmus machen. Matsch an der Nase. Erschrecken vor weißen Dingen. Chicago bringt Weite, Körperhumor und eine andere Art von Mut.
Visuelle Erkennbarkeit
Die Figuren von Löwenherz sind visuell klar voneinander unterscheidbar. Jede hat eine eigene Silhouette, eigene Bewegung, eigene Körpersprache.
Löwenherz
Wuschelige dunkelblonde Haare, blaue Augen, rote Wangen. Kein perfektes Kinderbuchkind, sondern ein kleiner Mensch in voller Energie. Die Arme sind fast immer in Bewegung – beim Rennen, beim Erklären, beim Staunen. Löwenherz steht selten still.
Draußen: orangene Mütze, navy Jacke mit Totenkopf-Patch, graue Hose, darunter blitzt eine weiß rosa karierte Leggings hervor, goldene Sneaker. Das ist sein Erkennungszeichen – egal ob Spielplatz, Koppel oder Berliner Herbst.
Drinnen / im Sommer: Fußball-Trikot. Löwenherz läuft zuhause in Sporttrikots herum – weil das so ist. Weil Jungs das so machen. Und weil sich viele Kinder darin sofort wiedererkennen.
Mya
Kleine weiße Katze, schmal, goldäugig, leicht o-beinig, tapsig-eleganter Gang. Ein Fellwölkchen, das immer zu nah kommt und mit dem ganzen Körper spricht.
Amy
Weiße Katze mit goldenen Augen und einem schwarzen Fleck auf der Stirn, runder, weicher, kräftiger. Wachsam, oft auf Abstand, mit einem Blick, der erst prüft und dann entscheidet.
Chicago Blues
Großes dunkelbraunes Pferd, schwarze volle Mähne, weißer Stern auf der Stirn, schwarze Augenklappe. Die Nase oft tastend nach vorne, als würde er die Welt erschnuppern.
Die Konzeptillustrationen dieser Präsentation wurden als gestalterische Vorlage mit KI-Tools entwickelt und zeigen Figurencharakter, Farbsprache und Bildkomposition. Die finalen Illustrationen entstehen in Zusammenarbeit mit einer Illustratorin – im selben warmen, malerischen Stil mit klarer Farbsprache (Gelb, Orange, Rot, Blau, Holz, Beton) und starken Kontrasten zwischen Innen und Außen, Wohnung und Koppel, Enge und Weite.
Sprache und Rhythmus: Der Ton von Löwenherz
Löwenherz ist in rhythmischer Prosa geschrieben – kurze Sätze, eigenes Gewicht, Pausen die zur Emotion gehören. Das Tempo folgt der Figur, nicht dem Metrum.
Die drei Prinzipien:
1
Wiederkehrende Formeln als Anker
In jedem Band kehren bestimmte Sätze und Gesten wieder. Sie geben Kindern Halt und machen das Vorlesen zum Mitsprechen. Der Ankersatz von Band 1: „Mya kommt sofort. Amy nicht."
2
Löwenherz' eigene Sprache
Die Figur spricht in ihren eigenen Sätzen – unverdünnt, direkt, komisch. „Erst Eis, dann Kita." „Löwenherz alleine!" „Geschenkauto???" Diese Sätze sind unverwechselbar und tragen die Reihe.
3
Lautmalerei und Schriftbildlichkeit
Die Interaktionen mit den Tieren werden durch lautmalerische Elemente ergänzt – Schnaufen, Tapsen, Schnurren. Diese werden grafisch im Layout hervorgehoben und laden Kinder zum Nachmachen und Mitspielen ein.
Warum jetzt
In einer Kinderbuchlandschaft zwischen lauten Konzeptbüchern und sehr süßen Tiergeschichten setzt Löwenherz auf genaue Beobachtung, starke Figurenbindung und eine warme, moderne Alltagswelt.
Löwenherz setzt bewusst auf einen empfindsamen Jungen als Hauptfigur, ohne ihn leiser, braver oder weniger wild zu machen. Seine Welt zeigt sich in konkreten Momenten: einem Joghurtbecher auf dem Tisch, einer Katze im Türrahmen, einem Mixer, der zu laut ist, einem Mond, der plötzlich verschwunden scheint.
Tiere sind im Bilderbuch vertraute Begleiter. Bei Löwenherz sind sie keine Symbolfiguren, sondern echte Gegenüber mit eigener Logik. Mya kommt zu nah, Amy kommt nur, wenn sie selbst will, Chicago Blues sucht Bananen und erschrickt sich ausgerechnet vor weißen Dingen.
So entsteht eine Figurenwelt, die zeitgemäß ist: urban, warm, körperlich, komisch und visuell klar wiedererkennbar.
Warum Marie von den Benken
Löwenherz entsteht aus genauer Beobachtung: eines Jungen, der mit dem ganzen Körper fühlt, zweier Katzen, die völlig verschieden Nähe zeigen, und eines fast blinden Pferdes mit eigener Logik.
Marie von den Benken schreibt seit Jahren über Alltag, Haltung und die kleinen Momente, die größer sind, als sie zunächst wirken. Löwenherz überträgt diese Beobachtungsschärfe ins Kinderbuch: warm, bildhaft und ohne Kinder zu erklären.
IP- und Erweiterungspotenzial · Ausblick
Löwenherz ist als wiedererkennbare Figurenwelt angelegt. Die Stärke liegt in klaren Figuren, wiederkehrenden Ritualen und einer Welt, die über Band 1 hinaus organisch wachsen kann.
Denkbar sind langfristig: Pappbilderbücher, Mini-Formate für jüngere Kinder, Hörbuch und Audio (die Reihe hat starke wiederkehrende Geräusche und Sätze), Plüschfiguren (besonders Mya, Amy und Chicagos Augenklappe haben ikonisches Potenzial).